Unscharf wird schön – farbenprächtige Beugung an Spinnfäden
Angewandte Optik, Institut für Physik, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Abstract
Gezielte Unschärfe bei der Makrofotografie kleiner Objekte, die das Licht durch Brechung oder Beugung farbabhängig in den Raum verteilen, führt zu eindrucksvollen Farbeffekten. An sonnigen Spätsommertagen kann man bei geeignetem Beobachtungswinkel die nur wenige µm dünnen Fäden von Spinnennetzen farbig aufleuchten sehen. Bei unscharfer Fotografie erhält man auf Teilstücken solcher Fäden jeweils faszinierende Muster, die an einen bunten Ringelschal in Richtung der Faser erinnern und aus vielen parallelen farbigen Bändern bestehen. Das Phänomen wurde erstmals 1989 dokumentiert [R.G. Greenler und J.W. Hable, Am.Sci.77, 369] und mit Fluktuationen der effektiven Dicke des Fadens in Verbindung gebracht – ohne spezielle Berücksichtigung der Defokussierung. Wir beobachten es in ähnlicher Form auch an dünnen Fasern pflanzlicher Samen (z.B. Löwenzahn oder Weidenröschen). Der Vortrag bietet ästhetisch ansprechende Bilder solcher Farbeffekte, beschäftigt sich mit den Mechanismen der Lichtüberlagerung, die zu den beobachteten Mustern führen und spannt den Rahmen von historischen Experimenten bis zu Anwendungen in der Messtechnik.